"Make a better place"
Schülerinnen setzen Zeichen für ein besseres Miteinander im Netz
Projektpräsentationen an der Realschule begeistern mit Kreativität und gesellschaftlicher Relevanz
Im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts stellten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen unserer Realschule in den vergangenen Wochen eindrucksvoll unter Beweis, wie vielseitig Lernen sein kann. Unter dem Leitthema „Make … a better place“ entwickelten die Jugendlichen in Teams eigene Ideen, um die Welt ein Stück besser zu machen – und überzeugten dabei mit Kreativität, Engagement und Tiefgang.
Die Aufgabenstellung war bewusst offen gehalten: Jede Gruppe sollte ein Thema aus unterschiedlichen Fachbereichen wählen und dieses sowohl theoretisch erarbeiten als auch praktisch umsetzen. So entstanden vielfältige Projekte – von plastikfreien Pflegeprodukten über Modelle einer Solaranlage im Schulgarten bis hin zu digitalen Innovationen wie einer selbst konzipierten App.
Besonders hervorzuheben ist die Arbeit von vier Schülerinnen aus dem Fach Deutsch, die sich mit dem Thema „Make Social Media a better place – Wie Sprache das Internet verändert“ auseinandersetzten. Mit großem Einsatz recherchierten sie nicht nur theoretische Hintergründe, sondern suchten auch den direkten Kontakt zur Praxis: Insgesamt 41 Influencerinnen und Influencer weltweit wurden von ihnen angeschrieben, um deren Einschätzungen zu Hate Speech und dem Umgangston in sozialen Medien einzuholen.
Ergänzend führten die Schülerinnen eine Umfrage an der eigenen Schule durch. Das Ergebnis ist alarmierend, aber wenig überraschend: Die Mehrheit der Befragten gab an, bereits selbst Hass oder Beleidigungen im Netz erlebt zu haben.
Umso bemerkenswerter war die Resonanz aus der Influencer-Welt. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Dagi Bee nahmen sich Zeit für eine Rückmeldung. Dabei wurde deutlich, dass das Problem von Hate Speech (Hassrede, Beleidigungen) in sozialen Medien weit verbreitet ist und viele betrifft. Technische Lösungen wie eine KI-gestützte Filterfunktion werden zwar grundsätzlich begrüßt, können das Problem jedoch nicht vollständig lösen.
Die Schülerinnen griffen diese Erkenntnisse auf und entwickelten die Idee für eine eigene App mit dem Namen „Safe Speak“. Diese soll beleidigende Kommentare automatisch erkennen und durch ein lila Herz ersetzen – ein kreativer Ansatz, der nicht nur schützt, sondern auch ein Zeichen für einen respektvolleren Umgang setzt. In ihrer Präsentation stellten sie neben dem Design und der Funktionsweise der App auch ein selbst produziertes Werbevideo vor.
In den Rückmeldungen der Influencer wurde zudem deutlich, dass viele die Ursachen für Hass im Netz tiefer sehen: Anonymität spiele eine entscheidende Rolle, da sie Menschen dazu verleite, impulsiver und verletzender zu schreiben. Nicht selten entwickle sich daraus eine Dynamik, die in regelrechten „Wettkämpfen der Beleidigungen“ gipfelt und schließlich in sogenannten Shitstorms endet. Auch die „Verkürzung“ von Sprache sei ein Problem, es gehe in erster Linie darum, aufzufallen, Mimik und Gestik, sowie Stimmungen zu vermitteln führe zusätzlich zu Missverständnissen.
Auch gesellschaftliche und politische Lösungsansätze wurden diskutiert. Während aktuell immer wieder über ein mögliches Verbot sozialer Medien für unter 14-Jährige gesprochen wird, sehen dies nicht alle Beteiligten als zielführend. Vielmehr wurde betont, wie wichtig eine umfassende Medienerziehung und Formulierung einer sachlichen Meinung sei – sowohl in Deutschland als auch weltweit und insbesondere im schulischen Kontext.
Ein weiteres Problem sehen viele darin, dass Algorithmen häufig jene Inhalte bevorzugen, die besonders laut, provokant oder emotional sind. Sachliche und differenzierte Beiträge hingegen gehen oft unter. Dies erschwere eine konstruktive Auseinandersetzung zusätzlich.
Die Präsentation der vier Schülerinnen zeigte eindrucksvoll, wie reflektiert sich junge Menschen mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzen können. Ihr Projekt machte nicht nur auf Missstände aufmerksam, sondern bot zugleich kreative Lösungsansätze und regte zum Nachdenken an.
Die diesjährigen Projektpräsentationen haben einmal mehr gezeigt: Schule kann weit über den klassischen Unterricht hinaus wirken – nämlich dann, wenn Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, eigene Ideen zu entwickeln und Verantwortung für Themen zu übernehmen, die unsere Gesellschaft bewegen.